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Angst vor der Rente? Wenn Loslassen plötzlich persönlich wird

Ich begleite seit vielen Jahren Menschen bei ihren Geld- und Lebensthemen. Oft geht es dabei ums Loslassen – von einer Rolle, einer Sicherheit, einem vertrauten Plan. Ich dachte lange, ich kenne dieses Gefühl. Bis ich selbst diejenige war, die loslassen musste.

 

Ein Jahr voller Zweifel

Über ein Jahr habe ich hin- und herüberlegt, ob ich meinen Bereich „Finanzplanung“ aufgebe. Diese Arbeit war greifbar und erfüllend. Ich konnte zeigen, was finanziell möglich ist, und Wege sichtbar machen. Gleichzeitig spürte ich immer deutlicher: Ich werde woanders gebraucht. Mein Herz schlägt fürs Coaching – fürs Zuhören, fürs Nachfragen, fürs Klarwerden.

Genau dieses innere Ringen erinnert mich an das, was viele erleben, wenn sie an die Rente denken. Auch dort endet eine vertraute Aufgabe. Ein Rhythmus. Ein Gefühl von Bedeutung. Viele fragen sich: „Und wer bin ich dann?“ Diese Frage ist normal. Sie zeigt, dass dein berufliches Leben wichtig für dich war. Und gleichzeitig öffnet sie die Tür für etwas Neues. Nicht weniger wertvoll, nur anders. So wie bei mir: Eine Rolle endet – aber das, was mich ausmacht, bleibt und wächst weiter.

Als ich die Entscheidung endlich traf, war da Erleichterung. Und zugleich ein seltsames Gefühl von Leere. Ich hatte nicht erwartet, dass dieser Schritt mich so bewegt. Es fühlte sich an, als würde ich ein Stück Identität verabschieden.

 

Wenn eine vertraute Rolle endet

Was ich bei vielen Kundinnen und Kunden gesehen habe, traf plötzlich auf mich selbst zu: die Angst, nicht mehr wichtig zu sein. Da ist Thomas, 63, der seiner Rente entgegenfiebert. Freude mischt sich bei ihm mit Unsicherheit: „Wer bin ich denn dann?“ Oder Karin, die nach Jahrzehnten die Lokalpolitik verlässt. Sie weiß, dass es richtig ist. Und spürt trotzdem den Verlust. Genau diese leise Unruhe kannte ich nun auch. Der Gedanke, nicht mehr gebraucht zu werden. Das Ziehen im Bauch, wenn etwas Vertrautes endet. Mir wurde klar: Berufliche Identität hat viel mit Selbstwert zu tun. Und selbst gewünschte Veränderungen können Trauer auslösen.

 

Ein Blick ins eigene Flipchart

Ein Freund bot mir Coaching an. Wir standen vor dem Flipchart, das sonst meinen Kundinnen und Kunden gehört. Dieses Mal war ich die Suchende. Was macht dieser Abschied mit mir? Welche Gedanken halten mich fest? Wir fanden heraus: Meine Angst galt nicht dem Fachlichen. Sondern der Vorstellung, weniger bedeutsam zu sein. Er stellte mir Fragen, die ich sonst stelle: „Was bedeutet es für dich, gebraucht zu werden?“ „Was bleibt, wenn du die Zahlen weglässt?“ Und plötzlich sah ich es klar: Der Kern meiner Arbeit sind nicht Berechnungen. Sondern Verständnis, Klarheit, Mut. Das bleibt. In diesem Moment fiel etwas von mir ab. Ich musste nichts neu erfinden. Nur hinsehen.

 

Was bleibt, wenn Identität sich verändert

Im Coaching sprechen wir Sätze laut aus, um zu spüren, was sie mit uns machen: „Ich bin nicht mehr die Expertin – und das ist gut so.“ „Ich bin wertvoll – mit und ohne mein Expertentum.“ Am Anfang klingen sie fremd. Mit der Zeit werden sie friedlicher. Ich sehe das auch bei meinen Klientinnen und Klienten: Wenn Thomas seinen Werkzeugkoffer schließt – und trotzdem stolz ist. Wenn Karin merkt, dass Erfahrung bleibt – ganz ohne Bühne. Wenn jemand versteht, dass Bedeutung nicht an einer Aufgabe hängt, sondern an Haltung. Und ich begreife: Ich verliere nichts. Ich schaffe Raum für Neues. Und Stück für Stück fühlt sich das richtig an.

Ich werde das Rechnen in Finanz-Szenarien und das Planbare sehr vermissen, das weiß ich jetzt schon. Aber die alte Rolle als Finanzplanerin darf sich jetzt ausruhen. Sie hat mich dorthin geführt, wo ich heute bin: Menschen begleiten – damit sie ihr Geld achtsam und klar einsetzen für ein Leben, das sich warm, stimmig und echt anfühlt.

 

Meine Einladung an dich zum Innehalten

Vielleicht stehst du selbst an einem Punkt, an dem du etwas loslassen musst – eine Rolle, eine Aufgabe, eine Sicherheit. Nimm deine Gefühle ernst. Sie zeigen dir, dass dir etwas wichtig war. Wenn du möchtest, schauen wir gemeinsam auf dein Thema. Im Wegweisergespräch finden wir heraus, was bleiben darf – und was gehen kann.

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